MUNZ & SIMONSEN CONGAS
Testreport von T 0 M S C H Ä F E R
Erschienen 0 1 . 9 9 in der Zeitschrift S T I C K S
Ganz im Sinne kubanischer Vorbilder präsentieren sich hier edle Instrumente, die - und das ist im Rahmen des hiesigen Conga-Marktes nicht gerade üblich - in Deutschland gefertigt werden, genauer gesagt in Oetzen in der Lüneburger Heide (Anmerkung: Nach einem Umzug ist die Tischlerei nun in Uelzen ansässig.). Dort werden alle Komponenten und Details fachmännisch in der Tischlerei/Drechslerei Kai Simonsen von Hand gefertigt. Es sind also keine Fließbandprodukte, auch Beschlagteile (Gerhard Munz) und Felle entstammen einer sorgsamen Auslese. So bietet man kleine Stückzahlen dieser unikaten Trommeln an, die mit viel Bedacht und Engagement gefertigt, ein stilvolles Ergebnis jahrelanger Erfahrungen bieten und in den Größen 12 1/2" Tumba, 11 1/2" Conga, 10 1/2" Quinto und 9 1/2" Super Quinto angeboten werden.
K E S S E L Die wuchtigen und in der Höhe 75 cm messenden Kessel
(Standard) werden aus einzelnen Rüsterdauben (Ulme) verleimt. Es liegt
allerdings keine - wie in der Industrie häufig verwendete - Sandwichbauweise
vor, denn die etwa 4 cm bis 5 cm breiten und ca. 15 mm starken Ulmenlatten
sind formgesägt, also massiv gearbeitet. Bereits beim Schnitt der Daubensegmente
wird die bauchige Kesselform herausgearbeitet, somit die einzelnen Elemente
spannungsfrei aneinandergeleimt den Resonanzkorpus bilden, der mit überaus
robuster Bauweise eine solide Standfestigkeit vermittelt. Daher kann weitgehend
auf Kesselringe verzichtet werden. Lediglich ein Element findet sich am
Kesselfuß, das als umgelegtes und verschraubtes Metallband in einer
flachen Kesselausfräsung seinen Platz findet. Der Conga-Fuß ist
flach abgedreht, so daß der Kessel bei Bodenkontakt keinen Schutz
erfährt; hier ist also eine etwas vorsichtigere Umgangsweise angesagt.
Alle Kesselaußenflächen sind abgedreht und glattgeschliffen,
innen ist das sägerauhe Holz sichtbar. Ein aufgetragenes Öl (außen)
schützt vor Witterungseinflüssen und verleiht der ausgebildeten
Holzmaserung eine deutliche Tiefenschärfe. In dieser natur-optischen
Gestalt erkennt man auch, daß die einzelnen Daubensegmente nach dem
sichtbaren Maserungsverlauf sortiert und nach Nummerierung der Holzsegmente
aneinandergeleimt wurden, so daß sich eine dekorative Einheit bildet.
Betrachtet man einmal die Fellauflagekanten, so ist ein ausgeprägter,
außen angesetzter Rundschliff erkennbar, nach innen ist der Kesselrand
steil abgekantet. Dieses glatte Rundschliffprofil bietet gute Voraussetzungen
für eine geschmeidige Fellbewegung im Rahmen des Spannvorganges. Die
gesamte Holzverarbeitung unterliegt bester fachmännischer Handwerksarbeit.
M E C H A N I K E N Auch hier hat man sich Gedanken gemacht und präsentiert mit schwarz brünierten Metallbeschlägen solides Material. Der Spannring mißt 5 mm x 20 mm und ist bei allen Modellen mit sechs eingeschweißten 8 mm Spannschlaufen ausgestattet. Über 8 mm Stärke verfügen ebenso die Haken, wobei sogenannte Hochfestigkeits-Spannmuttern anstelle üblicher Unterlegscheiben auf Kegelpfannenscheiben greifen, die sich dem jeweiligen Winkel der Spannhaken anpassen. Eine gute Idee, mit der man gängige Distanzprofilscheiben einspart. Anders als üblich gestaltet sich auch die Anbringung der Dreiecks-Böckchen. So hat man die mittels versenkter Inbusschrauben dreifach gesicherte Kesselverankerung entsprechend der nach oben wirkenden Spannkräfte optimal plaziert (zwei Schraubpunkte unten, einen oben). Pluspunkt!
Alle mechanischen Bauteile überzeugen in ihrer robusten und durchdachten Bauweise. Ebenso waren funktional vorbildliche Felljustierungen festzustellen. Da die brünierten Stahlbeschläge leicht oxidationsempfindlich sind, sollte man hin und wieder mit etwas Öl der Metallpflege nachkommen. Im Zubehörbereich können die von Munz & Simonsen entwickelten, klappbaren Einzelstative geordert werden, die als stabile Dreibeinversion höhenverstellbar sind und sich dem jeweiligen Kesseldurchmesser anpassen.
F E L L E In der Fellbestückung greift man auf selbstverarbeitete Allgäuer Rinderhäute zurück, die in erlesener Auswahl und makelloser Verarbeitung ein schon rein optisch angenehmes Bild liefern. Die Häute sind penibel enthaart und auf der Spieloberfläche in der Tat aalglatt geschliffen. Daraus erwächst ein ungewohnt weiches Spielgefühl, trotzdem die Häute aufgrund ihrer vergleichsweise ausgeprägten Stärke (2 mm bis 3 mm) über eine relativ starre Struktur verfügen. Die Felle ließen sich sensibel stimmen, was einerseits auf die hohe Quaiität der Häute, andererseits auf die geschmeidig glatt gearbeitete Fellauflage zurückgeführt werden kann. In Anbetracht der starken Membrane darf sicherlich ein druckvoller, trockener Klang erwartet werden.
S O U N D Hat man schon im Rahmen der Konstruktion besondere Baumerkmale
entdecken können, so prägt auch der Sound ein übergreifend
charakterstarkes Bild in Form einer trockenen Klangausstrahlung. Der trockene
Charakter ist besonders stark ausgeprägt. Man muß also schon
aufgrund der starken Felle zielstrebig "zulangen", um ein Ergebnis
voller Sound-Entwicklung zu erzielen, was der geübten Hand sicherlich
leicht fällt, den Anfänger aber vor Probleme setzen kann. Insofern
ist auch die Zielgruppe dieser hochwertig verarbeiteten und charismatisch
klingenden Trommeln (ebenso auch in der Preisausrichtung) eingegrenzt.
Die Conga präsentiert warm und rund klingende Open Tones mit klaren
Anschlagsmomenten bei sehr knappem Sustain. Ein abrupt aber weich gebremster
Open-Sound verdeutlicht die trockene Charakteristik, lediglich ein leicht
resonantes Obertonverhalten bleibt etwas länger hörbar. Mit brettharten
Slaps kennzeichnen sich akzentuierte Schläge in Form prägnanter,
aber nicht zu scharfer Sounds. Sehr mild hingegen klingen Heel-Beat Schläge,
die aber auch eines nötigen Nachdrucks bedürfen, um in ein klanglich
sowie lautstärkemäßig stimmiges Bild zwischen Open Tones
und Slaps plaziert zu werden.
Offener, weil resonanter, klingt hingegen die Tumba. Mit tragenden, warmen
und tiefen Klängen reagiert diese Trommel relativ spontan mit ausgewogenen
Schlagsounds. "Staubtrocken" hingegen zeigen die beiden kleinen
Modelle Quinto und Super Quinto ihr vorbildliches Verhältnis zum perkussiv
orientierten "Super-Trocken-Sound". Die hölzernen Klangmerkmale
sind stark ausgeprägt bei äußerst knappen, aber tonal starken
Open Sounds und präzisen Short-Slaps. Es zeigte sich weiterhin eine
überzeugende Stimmungsvariabilität, somit die Munz & Simonsen
Modelle auch diesbezüglich sicherlich gute Voraussetzungen für
Studiosituationen bieten.
F A Z I T Handmade in Germany: Die kleine Serie hervorragend verarbeiteter Congas (massive Ulmendauben) zeigt Exklusivität in harmonischem Einklang zwischen unikater Holzbearbeitung, funktional durchdachtem Hardware-Konzept, erlesenen Rinderfellen und einem Sound, der straight, klar, warm, hölzern und unglaublich trocken ist. In dieser Ausrichtung definieren sich die Munz & Simonsen Congas (Tumba, Conga, Quinto und Super Quinto) als professionell orientierte Instrumente für den Perkussionisten mit gehobenem Anspruch.